| Biblische
Aspekte zur Sexualität
Die Sehnsucht nach der «Lust an
der Lust»
Lesen Sie bitte 1.Mose 1,26-2,25
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Sexualität ist in der Bibel
vom Grundsatz her kein Thema der Ethik.
Im Vordergrund stehen nicht Gebote,
Weisungen und Verhaltensregeln. Wichtiger ist das Staunen
über das Geschenk, als Frauen und Männer umfassend
aufeinander bezogen zu sein. Unsere Sexualität ist Beziehungsqualität
aus der Hand Gottes: keine Belastung des Lebens, sondern Grund
zur Dankbarkeit und zum Gotteslob.
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Göttliche Liebe
Am Anfang steht Gottes Entschluss, uns zu wollen und zu lieben (Kapitel
1,26). Dafür ruft er eine ganze Welt ins Dasein und gestaltet
einen besonderen Raum der Begegnung (vergleiche Kapitel 1,1-24 und
2,8-14). Eindrücklich dokumentiert die Bibel die Erschaffung
des Menschen als ein unmittelbares und umfassendes «Beziehungs-Handeln»
Gottes. Zum einen spricht Gott nicht einfach ein «es werde».
Er überlässt es auch nicht der Erde, den Menschen «hervorzubringen».
Sondern er «formt» ihn selbst, gestaltet ihn nach seinem
Bild, teilt sich mit, haucht dem Menschen seinen Atem ein und schenkt
ihm das Leben (Kapitel 2,7). Weil wir unser Leben aus Gott haben,
kommt es auch nur in der Gemeinschaft mit ihm zur Erfüllung.
Weil seine Liebe der «Urstoff» unserer Existenz ist,
erfahren wir Glück und Zufriedenheit letztlich auch nur in
dem Beziehungsraum seiner liebenden, zuwendenden und mitteilenden
Gegenwart (vergleiche Kapitel 2,15-17). Sein Wort, seine Gaben und
Werte geben unserem Leben Sinn und Geborgenheit.
Markenzeichen Sexualität
Zum Beziehungshandeln Gottes gehört, dass er uns individuell
als Frauen und Männer geschaffen und auf gegenseitige Ergänzung
angelegt hat (Kapitel 1,27 und 2,18-22). Unsere unterschiedliche
Geschlechtlichkeit (sexus) spiegelt dabei etwas von dem Geheimnis
der Dreieinigkeit Gottes: So wie Gott Vater, Sohn und Geist ist,
so ist der volle Begriff des Menschseins nur in der «Zweieinigkeit»
von Mann und Frau enthalten. Unsere Sexualität ist nicht Zugabe
an unser Leben. Sie ist vielmehr grundlegender Ausdruck und «Markenzeichen»
unseres Menschseins: mit Geist, Seele und Leib repräsentieren
wir gemeinsam als Frauen und Männer Gottes Ebenbildlichkeit
in der Welt.
Freude am Du
Als Gott dem Mann (Adam) die Frau (Eva) zuführt, da wird diese
Begegnung für beide zu einer Ouvertüre der Freude am anderen,
am menschlichen Gegenüber. «Endlich gibt es jemanden
wie mich», jubelt Adam auf, «wir gehören zusammen!»
(Kapitel 2,23). Die Freude aneinander mündet für Mann
und Frau in der Erfahrung einer erfüllenden Intimität,
in der sich beide als sexuelle Wesen entdecken. Das hebräische
Wort «jada»(= erkennen) meint dabei ein «Kennenlernen
in der Begegnung», in einem gemeinsam gestalteten Miteinander.
Das gilt gerade auch für die körperliche Beziehung. Sexualität
ist in der Bibel nicht zuerst physiologisch, sondern personal gedacht.
In der intimen Begegnung von Mann und Frau geht es nicht nur um
Sex. Es geht um ein umfassendes Einswerden und Einsbleiben in einer
exklusiven und vertrauensvollen Lebens- und Liebesgemeinschaft (Kapitel
2,24- 25, vergleiche auch Matthäus 19,4-6).
«Schamlos glücklich»
Der gottgewollte Beziehungsraum für die Erfahrung dieser umfassenden
Lebens- und Liebesgemeinschaft ist die Ehe. In ihr können und
sollen Mann und Frau «eins» werden und ihrer Freude
aneinander umfassend Ausdruck verleihen. Während die intimsexuelle
Begegnung ausserhalb der Ehe in der Bibel durchgehend als Unzucht,
Hurerei oder Ehebruch scharf verurteilt wird (vergleiche 1. Korinther
6,15-19), widmet das «Hohelied» der Freude an der ehelichen
Sexualgemeinschaft und der auf sie zielenden Erotik eine ganze Sammlung
lustvoller Liebeslyrik. Innerhalb der Ehe darf die Sehnsucht nach
sexueller Begegnung und die «Lust an der Lust» unverhüllt
und unverkrampft zum Ausdruck kommen (Kapitel 2,25, vergleiche auch
Sprüche 5,18-19).
Hingebende Erfüllung
Als erfüllt und befriedigend wird Sexualität überall
dort erfahren, wo das körperliche Miteinander dem geliebten
Menschen zum Geschenk gemacht wird. Einander schenken und sich beschenken
lassen sind aktive Handlungen der Liebenden füreinander. Wer
sich dem anderen schenkt, will dessen Wohlbefinden fördern
und ihm Freude (Lust) bereiten. Wer sich sexuell beschenken lässt,
zeigt, wie wichtig ihm die Zuwendung und das Geschenk der körperlichen
Gemeinschaft des Partners ist. Wo die körperliche «Zuwendung»
in der Ehe nur als «leidige Pflicht» und ungeliebte
Dienstleistung «erbracht» wird, ist das ein Hinweis
auf eine gestörte Beziehung der Lebensgemeinschaft. Das gleiche
gilt, wo die sexuelle Hingabe des Partners nicht als Geschenk wertgeschätzt,
sondern als Forderung eingeklagt wird, oder wo Ehepaare gedankenlos
oder bewusst dauerhaft sexuell passiv miteinander umgehen. «Seid
füreinander da und entzieht euch nicht», fordert der
Apostel Paulus christliche Ehepaare in diesem Zusammenhang auf,
«damit euch der Teufel nicht verführt» (vergleiche
1. Korinther 7,1-5).
Brennendes Verlangen
Dass unsere Sexualität eine «Flamme Gottes» und
sexuelle Leidenschaft wie eine unwiderstehliche Glut ist (vergleiche
Hoheslied 8,6), wird von Unverheirateten oft schmerzhaft erfahren.
Sie erleben 1. Mose 2,18a in voller Härte. Billiger Trost ist
hier fehl am Platz, denn das fehlende menschliche Du wird für
den Ehelosen nicht einfach durch das göttliche Du ersetzt.
Die Abspaltung und Verdrängung sexueller Empfindungen und Wünsche
ist keine Lösung. Eine Hilfe kann nur im bewussten Wahrnehmen
der eigenen erotischen Gefühle und intimen Bedürfnisse
liegen, im Versuch der Integration und im Ringen um ein erfülltes
Leben auch als Single.
Günther
Kress
quelle: Chrischona-Magazin
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