|
Heilung in der Beziehung zur Sexualität
Dieser Beitrag ist dem Buch entnommen:
Vreni + Dieter Theobald: "Heile Beziehungen - Beziehungen heilen"
Hänssler-Verlag Holzgerlingen
Das Wort ‘Heilung’ heisst wiederhergestellt, gesund, in Ordnung
sein. Es beinhaltet einen abgeschlossenen Genesungs- oder Wiederherstellungsprozess,
der jetzt fertig, vollendet ist.
Im Blick auf die Sexualität heisst Heilung:
- dass durch das Sterben und Auferstehen Jesu Heilung und Erneuerung
de fakto wirklich geschehen und vollendet ist.
- dass in unserem Leben Heilung der Sexualität, als Weg, als dynamischer
Prozess des Heilwerdens erfahren wird. Das noch Unheile, will
der Vater im Himmel als Kanal seiner Gnade benutzen. Jesus kommt
mit seiner Liebe in unsere Bedürfnisse, in unsern Mangel hinein.
Er schafft in uns eine tiefe Quelle des Mitleides, ein Herz für
andere, die gebrochen sind. Er schenkt uns Gnade und möchte uns
als Vermittler dieser Gnade benutzen. Wir sind als Seelsorger
‘gebrochene Helfer’, oder wie H. Nouwen formulierte „verwundete
Heiler“ und geben anderen aus unserm eigenen Unterwegssein mit
dem Heiland Zeugnis von der Heilung in Gott.
Es ist uns bewusst, dass Heilung der Sexualität die drei grossen
Bereiche angeht, in denen die Gebrochenheit durch die Sünde wirksam
wurde:
- Beziehung des Menschen zu Gott
- Beziehung des Menschen zum Mitmenschen
- Beziehung des Menschen zu sich selbst.
Heilung der Beziehung zu Gott
Das ‘oberste Gebot’, das Jesus seinen Jüngern sagte, entspricht
dieser erneuerten Beziehung auf allen drei Ebenen. Luk.10,27: „Du
sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer
Seele, von allen Kräften und von ganzem Gemüt. Und deinen Nächsten
wie dich selbst.“ In unserer Vorstellung reduzieren wir Sexualität
meist auf den Geschlechtstrieb, -akt, -teile, und das, was an Lust
und Frust und Perversion damit zusammenhängt.
Doch es umfasst ja weit mehr.Es umfasst den ganzen Menschen. Nur
wer ein klares Bild hat, vom Eigentlichen, Originalen der Sexualität,
wie Gott sie gemeint hat, hat ein Ziel vor sich, zu dem er sich
auf den Weg der Heilung hinbewegen kann. In der Sexualität des Menschen
liegt ein Geheimnis verborgen, das nur verstanden werden kann im
Zusammenhang mit der Gottebenbildlichkeit des Menschen. Darum lesen
wir nochmals aus der Schöpfungsgeschichte:
„Gott sprach: Lasset uns Menschen machen, ein Bild das uns gleich
sei, die da herrschen über die Fische im Meer und über die Vögel
unter dem Himmel und über das Vieh und über alle Tiere des Feldes
und über alles Gewürm, das auf Erden kriecht. Und Gott schuf den
Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn, und schuf
sie als Mann und Weib. Und Gott segnete sie und sprach zu ihnen:
Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und machet sie
euch untertan. Und Gott sah an alles, was er gemacht hatte, und
siehe, es war sehr gut!“ 1.Mose 1,26-28+31
Der dreieinige Gott lebt in sich als Gemeinschaft von Vater, Sohn
und Heiliger Geist, in völliger Einheit und doch verschieden im
Auftrag.
Gott, der selber in Beziehung lebt, schuf den Menschen, der ihm
gleich sein und sein Ebenbild sein soll, auch als Beziehungswesen.
Er soll in Beziehung mit ihm leben. Aber Gott realisiert die Einsamkeit
des Menschen in der er sich befindet. Und er sagt über diesen ersten
Menschen:
„Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei, ich will ihm eine
Hilfe (Entsprechung) schaffen, die um ihn sei.“
Fortan lebt der Mensch als Mann und als Frau. Sie sind sich zugeordnet,
aufeinander angewiesen, einander als Geschenk gegeben. Der Schöpfer
formte eine Ergänzung für den Menschen, um die emotionalen und körperlichen
Bedürfnisse zu stillen. Als Mann und Frau widerspiegeln sie Gottes
Ebenbildlichkeit. In der Aufgabe und Möglichkeit der Einheit, des
Einsseins, der Ergänzung und Gemeinschaft liegt die Verwirklichung
des beziehungsmässigen Aspektes der Ebenbildlichkeit Gottes.
Der göttliche Stempel des ‘sehr gut’, sein Ja und sein Segen ruhen
auf dem Menschen, der sich als Mann und Frau darstellt. Er ruht
auf der Sexualität von Mann und Frau,
auf dem ‘ein-Fleisch-werden’ von Mann und Frau. In diesem Einssein
werden die Beiden zu Teilhabern des Schöpfungsaktes Gottes. Sie
zeugen neues Leben, ihre Beziehung bringt Frucht.
Paulus bringt in Eph. 5,28-32 diesen Aspekt der Ehe nochmals zur
Sprache, wenn er vom Geheimnis redet, vom doppeldeutigen Charakter
der Ehe, dem Hinweis auf das Widerspiegeln der Ebenbildlichkeit
Gottes. So, wie ein Mann seine Frau liebt, mit der er eins, ein
Fleisch ist, so liebt Christus die Gemeinde,- will Christus einssein
mit der Gemeinde.
Das Originalbild der Sexualität heisst: die Sexualität von Mann
und Frau ist sehr gut. Sie gibt dem Mann die Identität, ein Mann
zu sein und als Mann zu leben. Sie gibt der Frau die Identität,
Frau zu sein und als Frau das Leben zu gestalten. Sie ist die Sehnsucht
und das Begehren, das Mann und Frau zueinander hin bewegt und treibt,
die Spannung der Verschiedenartigkeit auszuhalten, in Beziehung
und Ergänzung zueinander zu leben, die Abhängigkeit voneinander
zu bejahen, durch das Einssein fruchtbar zu werden, Leben weiterzugeben
und diese Lebens-Aufgabe gemeinsam zu gestalten und zu bewältigen.
Sexualität wird gelebt vor den Augen Gottes in Beziehung zu Gott.
Es ist nichts Verstecktes, Verschämtes, Unreines darin. Adam und
Eva lebten ihre Sexualität natürlich und offen. Sie waren beide
nackt und schämten sich nicht. Würde und Heiligkeit und Herrlichkeit
Gottes liegt über diesem Einssein von Mann und Frau. Ja, der Mensch
ist Abglanz der Herrlichkeit Gottes.
Aber dieses ‘sehr gut’ wurde zerstört durch die Sünde. Die Verführung
zum ‘selber-sein-wollen-wie-Gott’ hat den Menschen um die Gemeinschaft
mit Gott gebracht. Die Folge davon ist der Beziehungsbruch, die
zerstörte Einheit. Nach aussen hin deutlich gemacht durch die Vertreibung
aus dem Paradies.
Wenn wir jetzt von ‘Heilung der Sexualität’ reden, geht es uns
deshalb nicht in erster Linie darum, wie wir im Einzelfall Sexualitätsprobleme
lösen und korrigieren. Es geht um die Rückgewinnung der verengten
Sicht über Sexualität in die Einbettung der Beziehung zu Gott. Gottes
Ordnung in den Beziehungen soll wieder hergestellt werden. Die Unordnung
in den sexuellen Beziehungen ist durch die Abwendung vom Schöpfer
hin zum Geschöpf entstanden. Paulus beschreibt es deutlich in Römer
1. Sexuelles Chaos ist die Folge.
Das grosse Ziel der Heilung ist nicht einfach
nur konfliktfreier Umgang mit der eigenen oder ehelichen Sexualität,
sondern der Heilung der Beziehungsfähigkeit, Heilung der Liebesfähigkeit.
Heilung in diesem Horizont ist kein Therapieprogramm, sondern
göttliches Eingreifen in unser Leben durch die Erlösung. Durch das
Sterben Jesu am Kreuz auf Golgatha hat er für uns den Weg gebahnt
zur Heilung und Wiederherstellung der Beziehung zu Gott. In Jesus
Christus tritt uns die Gnade Gottes entgegen, zeigt sich sein herzliches
Erbarmen. Gottes Absicht ist es, das Verirrte (siehe Joh.8 die Ehebrecherin!!)
heimzuführen, das Verwundete zu verbinden, das Kranke zu heilen
in seinem Sohn Jesus Christus. Heilung der Sexualität heisst auch
Erlösung von aller Schuld, die durch verirrte, pervertierte, missbrauchte,
verletzte Sexualität geschehen ist.
„Er ist um unsrer Missetat willen verwundet und um unsrer Sünde
willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden
hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt.“ Jes.53,5.
Damit ist der Weg frei zum Vater. Als Gerechte durch Jesus treten
wir ein in eine neue Lebens- und Liebesbeziehung, in den Stand der
Kindschaft und sagen: „Abba, lieber Vater“ Alle Verurteilung
und Verdammung hat der Vater von seinen Kindern abgezogen. Es gibt
nichts Verdammliches an denen, die ihre neue Identität in Jesus
Christus haben. Der Vater sagt über uns als Frau/ als Mann: Du bist
angenommen, wert geachtet und sehr geliebt. Er sagt dies trotz aller
Mängel, Schwächen und Fehlern, die noch da sind.
Wir sind eingeladen, diese Beziehung mit dem dreieinigen Gott
zu leben, mit ihm eins zu werden (siehe 1.Kor.6,17:“wer dem Herrn
angehört, der ist ein Geist mit ihm“), Anteil zu haben an
seinem Leben und seiner Liebe.Das Wissen allein um dieses ganze
Angenommen- und Geliebtsein erfreut uns zwar, verändert uns aber
nicht in der Tiefe. Es braucht dieses ins Herz hinein zugesprochene
und in der Tiefe des Herzens festgemachte Wort des Vaters, das ich
für mich glauben kann: Du bist mein Kind!
Heilung der Beziehung zum Nächsten
Weil uns das ‘oberste Gebot’ Jesu als Richtschnur dient, kommt
als nächster Punkt die Beziehung zum Du dran. Man kann hier berechtigterweise
die Frage nach der richtigen Reihenfolge stellen, ob eine heile
Beziehung zu mir selber nicht die Voraussetzung wäre zu einer gesunden
sexuellen Beziehung zum Andern.
Beides wäre möglich, eines wächst am andern.
Martin Buber hat es einmal so gesagt:“Ich werde am Du ,-und ichwerdend
spreche ich Du.“ - Ich werde am Du.
Im Schöpfungsbericht ist es richtig ergreifend, wie Gott die Tiere
vor den Menschen bringt und er ihnen Namen gibt, sie identifiziert.
Aber es war kein Geschöpf da, das dem Menschen ein echtes Gegenüber
sein konnte. Erst als Gott die Frau zu Adam brachte, rief er jubelnd:“Das
ist Bein von meinem Bein und Fleisch von meinem Fleisch. Man wird
sie Männin heissen, weil sie vom Manne genommen ist.“
Der Mensch brauchte jemanden, der ihm ähnlich genug war, damit er
sich mit ihm identifizieren konnte, und doch zugleich einzigartig
anders war, um ihn aus dem Alleinsein herauszurufen. Bei Adam fehlte
ein Teil, dieses innere Stück, die Rippe, aus der Eva gemacht wurde.
In Mann und Frau legte Gott diese Sehnsucht nach dem fehlenden inneren
Teil, das der andere besass,damit sie einander zum helfenden Gegenüber
werden konnten.
Adam erkannte seine Männlichkeit im Anblick von Evas Weiblichkeit.
Ihre einzigartige Identität als Mann und Frau wurde ihnen deutlich
durch die Andersartigkeit des andern.
Ist es nicht bezeichnet, dass das Alte Testament in den verschiedenen
Ehegeschichten nicht den ‘technischen’ Begriff Geschlechtsverkehr
gebraucht, sondern das Wort ‘Erkennen’. Erkennen führt weit über
das Funktionieren von Genitalien hinaus und meint die tiefe Begegnung
eines Mannes mit einer Frau, die sich mit dem Herzen, ihrer Seele,
ihrem Leib, ihrem Geist einander verschenken und hingeben. Dieses
Einswerden ist Liebesgemeinschaft, ist Fülle von Leben und Stillung
des inneren Hungers nach Nähe.
Heilung der Sexualität in der Ehebeziehung:
Heilung des hartgewordenen Herzens, der Cardiasklerose: Hes.36,25+26:“Ich
will reines Wasser über euch sprengen, dass ihr rein werdet, von
all eurer Unreinheit (Hurerei) und von all euren Götzen (Abgötterei)
will ich euch reinigen. Und ich will euch ein neues Herz und einen
neuen Geist geben und will das steinerne Herz aus eurem Fleisch
wegnehmen und euch ein fleischernes (lebendiges, beziehungsfähiges)
Herz geben.“
Die erogenste Stelle befindet sich
ausserhalb des Genitalbereiches: im Herzen. Sexualität ist
die tiefste Begegnung mit dem Herzen. Wir öffnen uns für den Menschen,
den wir lieben. Wir verschenken uns, geben uns aneinander hin. Das
ist nur möglich, wenn das Herz empfangen und nehmen kann. Heilung
des harten Herzens geschieht durch einen Prozess der Erneuerung
unseres Herzens. Gott verspricht das absolute Wunder eines neuen
Herzens, das voll wird von seinem Geist. Erneuerung beginnt meist
mit innerer Erkenntnis der Schuld, der Unfähigkeit zu Lieben, der
Härte und führt dann zu Busse und der Bitte um Vergebung und Heilung
und einer neuen Hinwendung zu Gott. Das Alte Testament endet mit
der Verheissung der Beziehungserneuerung (Mal.3), wenn Gott die
Herzen der Väter zu den Söhnen und die Herzen der Söhne zu den Vätern
bekehren wird. Wir könnten es ausweiten: die Herzen der Frauen zu
ihren Männern und die Herzen der Männer zu ihren Frauen bekehren
wird.
Gottes Ordnung erkennen in der Prioritätenliste der Beziehungen.
Gestörte Sexualität kommt oft durch falsche Prioritätensetzung.
Das gemeinsame Leben in der Ehe hat zu wenig Raum durch das ‘nicht-verlassen-können’
der Eltern, der Überbetonung der Kinder oder des Berufes, der Gemeinde.
Die Ordnung der Ehegemeinschaft: Prioritäten der Beziehungen
6. Alle Menschen
5. Glaubensgeschwister Gal.6,10;
4. Eltern, Schwiegereltern, Geschwister Mt.19,5/ 15,5
3. Kinder 1.Tim.5,8;
2. Ehepartner Eph.5,28+29;
1. Gott 5.Mose 6,4-5;
Gottes gute Gabe der Sexualität anerkennen und achten.
Sexualität pendelt oft zwischen den Extremen: Sexualitätssüchtigkeit
und Sexualitätsmüdigkeit. Wir merken, dass dieses Thema in vielen
Ehen eher ein mühsames Kapitel ist. Vielleicht stumpfen die sexgeschwängerten
Medien die eheliche Sexualität eher ab. Jedenfalls stöhnen unzählige
Ehefrauen auf: „Was, schon wieder?“ Und abgespiesene Ehemänner spülen
den Frust mit Alkohol hinunter.Der Sexfrust in Ehen ist gross!
Jede Verweigerung oder Übersteigerung der Sexualität hat ihren
eigenen Hintergrund. Es gibt keine Pauschalheilungen und keine oberflächlichen
Rezepte. Aber die innere und äussere Einstellung zur Sexualität
ist wichtig in der Ehe. Gott will, dass wir ein Ja zur Geschlechtlichkeit
haben, diese Gabe entfalten, uns als Ehepaar gegenseitig erfreuen.Wie
sagt es Salomo in den Sprüchen (5,18) so schön:“Freue dich des
Weibes deiner Jugend!“
Machtmissbrauch durch Sexualität einstellen.
Sexualität und Erziehung sind die beiden Kampf- und Erpressungsmittel
in der Ehe. Wenn eine Frau den Mann bestrafen oder sich rächen will
( oder umgekehrt), kann sie sich verweigern. Mit der Sexualität
versuchen wir den andern gefügig zu machen, er muss es sich verdienen.
Sexualität ist aber ein Geschenk, das ich für den Partner bekommen
habe. Paulus sagt es uns im 1.Kor.7,4+5 so:“Die Frau verfügt
nicht über ihren Leib, sondern der Mann. Ebenso verfügt der Mann
nicht über seinen Leib, sondern die Frau. Entziehe sich nicht eins
dem andern....“
Die Unterschiedlichkeit, wie wir als Mann und Frau Sexualität
erleben, akzeptieren und als Ergänzung betrachen.
Ingrid Trobisch lässt eine afrikanische Frau den Unterschied zwischen
Mann und Frau so formulieren:“Das Erleben des Mannes ist wie Grasfeuer:
leicht entzündbar, schnell auflodernd und rasch erlöschend. Das
Erleben der Frau hingegen ist wie Holzkohlenglut, die der Mann mit
Geduld zum Brand entfachen muss und die nach dem Aufflammen noch
tief und lange weiterwärmt.“
Und von einer amerikanischen Sexualität-Wissenschaftlerin stammt
der Satz:“Männer geben Liebe und Zärtlichkeit für Sexualität , Frauen
geben Sexualität für Liebe und Zärtlichkeit.“
Der liebende Umgang miteinander hilft uns die unterschiedlichen
Bedürfnisse zu verstehen. Weil wir uns darin respektieren und aufeinander
eingehen, finden wir gemeinsam einen Weg.
Perfektionistische Vorstellungen von ehelicher Sexualität aufgeben.
Sexualität ist kein Leistungssport: Laut Statistik hat ein Ehepaar
im Alter von 25-30 Jahren 2,5 mal pro Woche Geschlechtsverkehr.
Oder: Wir machen alles nach Handbuch X und da müsste eine Frau doch
zum Orgasmus kommen. Aber bei meiner Frau klappt’s nicht. Was machen
wir falsch?
Jedes Ehepaar erhält die gute Gabe der Sexualität in ihre persönliche,
intime Ehegemeinschaft. Aber es gibt nicht die Sexualität und so
macht man’s. Vorstellungen, Bilder und Buchwissen müssen oft ganz
bewusst auf die Seite getan werden, damit unsere Sexualität leben
kann.
Es gibt auch Heilung der Sexualität durch das Annehmen dessen, wie
wir zwei Sexualität miteinander leben können, was für uns möglich
ist.Wichtig ist, dass es für beide stimmt und dass die Sexualität
in Liebe in Wertschätzung und Hingabe aneinander eingebettet ist.
Heilung von Angst, nicht zu genügen. Heilung von Angst, zu kurz
zu kommen, zu wenig zu erhalten.
Sexuelle Bedürfnisse verändern sich auch mit dem Älterwerden, aber
sie hören nicht auf.
Heilung der Sexualität allgemein in den
Beziehungen
Wir Menschen brauchen Beziehungen, - Frauen noch stärker als Männer.
Weil Sexualität nicht ein Organ, sondern unsere geschlechtliche
Identität ist, uns von Kopf bis Fuss umfasst, bringen wir die Sexualität
auch in alle unsere Beziehungen ein. Auch Ehelose können die Sexualität
nicht ausschalten und ohne sie Beziehungen leben. Aber auch hier
gehört sie in die gute Ordnung Gottes und wird vor seinen Augen,
unter seiner Herrschaft gelebt.
Sexualität ist vielschichtig, kreativ, schöpferisch und kann nicht
nur durch geschlechtliche Vereinigung gelebt werden. Sexuelle Enthaltsamkeit
ist weder für die Psyche noch für den Körper schädlich, wenn sie
aus der Freiheit der eigenen Entscheidung geübt wird. Sexualität
muss dabei nicht verdrängt werden, sondern kann umgeleitet, sublimiert
und konzentriert auf andere Aufgaben gelenkt werden. Es bauen sich
dabei andere Hirnleistungen auf. Wieviel Hingabe und diakonischer
Liebesdienst, Fürsorge und Opfer für andere Menschen sind von Ehelosen
gelebt worden, weil sie den Ruf in die Nachfolge gehört und ernst
genommen haben. Die Geistesfrucht der Keuschheit und die Reinheit
des Herzens sind wesentliche Voraussetzungen zu einem unverkrampften
Umgang mit der eigenen Leiblichkeit als Ehelose.
Ich denke da an das grosse, weite Gebiet von Freundschaften. Wäre
da nicht viel Land zurückzuerobern und Heilung nötig? Das biblische
Beispiel von David und Jonathan (1.Sam.18) zeigt uns eine gleichgeschlechtliche
Freundschaft von Männern, die voller Herzlichkeit, Liebe und Fürsorge
ist, ohne dass die beiden in eine Abhängigkeit voneinander geraten
sind. Ich bin froh, dass diese Männerbeziehung so in der Bibel steht.Frauenfreundschaften
sind in unserer Kultur viel bekannter. Wir alle sehnen uns nach
Freundschaft und brauchen sie. Auch für gleichgeschlechtliche Freundschaften
gelten Gottes Ordnungen, damit sie gelingen. Zwei Geheimnisse für
gelungene Freundschaften werden uns hier gezeigt:
„Jonathan hatte David so lieb, wie sein eigenes Herz.“
Echte Liebe verbindet sich mit dem Herzen des Anderen, gibt dem
Andern aber die Freiheit, sich selbst zu sein Sie besitzt den andern
nicht, pachtet ihn nicht für sich und ist nicht eifersüchtig, wenn
noch ein anderer mit ihm befreundet ist.
„Der Herr steht zwischen dir und mir.“ (20,23).
Es gab keine erotische Verschmelzung, Gott stand zwischen ihnen.
Keiner konnte beim andern die Stelle Gottes einnehmen. Ihre Freundschaft
hatte zum Ziel, sich gegenseitig beizustehen, sich im Glauben zu
stärken. Jonathan ging zu David und stärkte sein Vertrauen auf Gott
(23,16).
Gleichgeschlechtliche Freundschaften sind eine grosse Stütze im
Leben. Hier ist Anteilnahme am Ergehen des Freundes möglich, Begleitung
durch die Hoch und Tiefs. Ein Mensch, der zu mir steht, auch wenn
ich Niederlagen erlebe und Fehler mache, der mir in Liebe die Wahrheit
sagt und eine Auseinandersetzung mit mir wagt, der mich ermutigt
und mit mir trägt, vor dem ich weinen und mit dem ich lachen kann.
Einer, der mit Gott über mich redet.
Natürlich gehört gegengeschlechtliche Freundschaft ebenfalls in
diesen Bereich. Man braucht dazu nicht die sexuellen Gefühle abzutöten.
Es braucht aber hier in besonderer Weise eine bewusste, ethisch
verantwortete Kontrolle über die Gefühle und klar abgesteckte Grenzen,
die beide kennen.
Ich habe einmal den Satz gelesen, dass sich in der Ehe zwei Menschen
von Angesicht zu Angesicht gegenüberstehen. In der Freundschaft
dagegen stehen sie Schulter an Schulter.
Ich frage Sie: Wie heisst Ihr Freund/ Freundin?
Wem sind Sie Freund/ Freundin?
Was sagt Ihnen das Angebot Jesu in Joh.15,14+15:“Ein Freund von
Jesus zu sein?
Heilung der Beziehung und sexuellen Identität
zu mir selber.
„Ichwerdend spreche ich Du“(Buber) - Ichwerdung ist ein Wachstumsprozess.
Je mehr ich mich werde, desto besser kann ich in Kontakt treten
zu andern, einem Du. Ichwerdung meint nicht eine narzistische Selbstverkrümmung,
sondern den gesunden Aufbau einer eigenen Persönlichkeit.
Gottes heilende Liebe zielt ganz besonders darauf ab, uns aus der
zerstörerischen Verarmung und Verkrümmung zu befreien und uns in
die Fülle des Lebens hineinzuführen in eine gesunde Entfaltung unserer
Person, die in Gemeinschaft mit ihm lebt.
Welche Hindernisse blockieren die Entfaltung als Mann und Frau?
Erfahrene Ablehnung in der Kindheit. Eine Schwangerschaft kam
unerwünscht oder in eine persönliche Krise hinein. Das Kind war
ungeplant, war ein sogenannter ‘Unfall’.
Man hatte sich einen Jungen gewünscht und jetzt ist ein Mädchen
da,- oder umgekehrt. Kameraden in der Schulzeit oder Nachbarschaft
lehnten ein Kind ab, schlossen es vom Spielen aus. Ablehnung legt
sich wie ein grosses Nein, wie ein Schatten auf ein Kind. In der
Folge lehnt es sich selbst, oder sein Geschlecht auch ab und kann
den Lebensrahmen seiner Persönlichkeit nie aus- und auffüllen. Es
kann nicht voll in sein Mann- oder Frausein eintreten. Wer sich
selbst ablehnt, kann sich nicht schenken und hingeben. Wieviele
Menschen lehnen ihren Körper ab, finden sich selbst abstossend und
hässlich, bleiben in Minderwertigkeitsgefühlen und Selbstzweifeln
gefangen.
Oft versucht man ein Leben lang durch Leistung, durch Gut- und Bessersein
eine Bestätigung zu erhalten, die diese Ablehnung entkräftet.
Heilung von Ablehnung wird mir geschenkt, wenn ich es begreife
und für mich ganz persönlich annehme, dass ich von fehlerhaften,
unvollkommenden Eltern gezeugt, geboren und erzogen wurde, aber
dass dahinter Gott steht. Er wollte mein Leben. Er gab mir das Leben,
durch ihn bin ich da. Ich bin gewollt, geliebt und werde gebraucht
von ihm.
„Er hat uns erwählt, ehe der Welt Grund gelegt war.“ (Eph.1,4)
-Meine Formung im Mutterleib geschah unter Gottes ‘Ja’ (Ps.139,13-16):“Denn
du hast meine Nieren bereitet und hast mich gebildet im Mutterleibe.
Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin. Wunderbar sind
deine Werke, das erkennt meine Seele. Es war dir mein Gebein nicht
verborgen, als ich im Verborgenen gemacht wurde, als ich gebildet
wurde unten in der Erde. Deine Augen sahen mich, als ich noch nicht
bereitet war, und alle Tage waren in dein Buch geschrieben, die
noch werden sollten und von denen keiner da war.“
Es ist oft ein innerer Weg, bis ein Mensch wirklich bereit ist,
Gottes Wahrheit über seinem Leben anzuerkennen und diese ganze Annahme
zu glauben. Es braucht Mut und echte Demut, nicht mehr etwas Anderes,
nichts Besseres, Schöneres, Idealeres sein zu wollen, sondern sich
selbst zu sein. Mich so zu akzeptieren, wie ich bin.
Keine oder eine falsche Bestätigung durch den gleichgeschlechtlichen
oder gegengeschlechtlichen Elternteil. Unsere geschlechtliche Identität
entwickelt sich durch die Beziehung mit andern Menschen. Die wichtigsten
Bezugspersonen sind dabei die Eltern. Sie sind das erste und prägendste
Beispiel für das, was männlich und weiblich bedeutet. In dieser
überaus komplexen Beziehung reagiert jedes Kind wieder anders, seinem
inneren Mechanismus gemäss, mit dem es Einflüsse verarbeitet. Deshalb
erleben die Kinder in ein und derselben Familie die Eltern oft ganz
unterschiedlich, und die gleiche Erziehung kann dem einen Kind nützen
und dem andern schaden.
Der gleichgeschlechtliche Elternteil
ist die Hauptquelle für die Geschlechtsidentifikation. Vor allem
in frühen Kindheitsjahren wird durch eine gute, heile Beziehung
zum gleichgeschlechtlichen Elternteil die eigene Geschlechtsrolle
positiv angenommen und bestätigt.
Bei einem Vertrauensbruch in dieser Beziehung, beginnt sich ein
Kind innerlich zurückzuziehen und errichtet eine unsichtbare Schutzmauer,
eine emotionale Entfremdung. Es misstraut dem Elternteil und entwickelt
auch ein Misstrauen sich selbst als einem geschlechtlichen Wesen
gegenüber, es lehnt sich selbst ab.
Die Bestätigung durch den gegengeschlechtlichen
Elternteil ist ebenfalls äusserst wichtig. Sie gibt dem Kind
ein Wertgefühl und die Fähigkeit, zum andern Geschlecht gute Beziehungen
eingehen zu können. Ein Mädchen entfaltet sich durch den Stolz und
die Liebe des Vaters zu seiner Tochter, und ein Junge an der Freude
der Mutter an ihrem Sohn. Die Grenzen müssen aber klar gewahrt werden:
der Erwachsene darf dieses Kind nicht als Partnerersatz missbrauchen,
darf sich ihm nicht mit verführerischen sexuellen Absichten nähern.
Heilung der Sexualität und der Beziehung
zu sich selbst hat deshalb auch etwas zu tun mit Vergebung den frühen
Bezugspersonen gegenüber und der Bitte um Vergebung für eigene Fehlreaktion.
Heilung, wo andere an mir schuldig wurden, wo ich Opfer bin.
Es fällt frommen Menschen oft schwer, die Elternbeziehung durchzugehen
und die Verletzungen, den Mangel der Kindheit beim Namen zu nennen.
Wir entschuldigen unsere Eltern mit dem Wort:“Sie haben es doch
gut gemeint und getan, was sie konnten!“ - Oder das wichtige Gebot:“Ehre
Vater und Mutter“ hindert uns daran, über ihre Fehler zu sprechen.
Das Ziel ist aber nicht Sündenböcke zu suchen oder Schuld abzuschieben,
sondern ganze Vergebung anzunehmen, auszusprechen und in eine echte
versöhnte, freundschaftliche Beziehung zu den Eltern zu kommen.
Die Eltern echt zu ehren wird dort möglich, wo Versöhnung geschieht.Dies
ermöglicht uns auch einen erneuten Zugang und Befreiung zu unserer
unserem Mann- oder Frausein.
Wir haben die Möglichkeit, aus falschen Prägungen und Lebensmustern
auszutreten, uns mit Vorbildern, die uns negativ beeinflusst haben,
auseinanderzusetzen und uns ein neues Bild von Gott her zeigen zu
lassen, das dem Leben dient. Wir sind nicht dem negativen Erbe unserer
Familiengeschichte ausgeliefert. 1.Petr.1,18 sagt deutlich, dass
das Blut Jesus Christi uns freigekauft hat von der zerstörerischen
Erbschaft, die wir übernehmen mussten von unsern Vorfahren. Das
gilt auch für die Okkultschuld, die in einer Familiengeschichte
da sein kann und in Hurerei und Abgötterei, in pervertierte Sexualität
führen kann. Das gilt auch für jeden Fluch über der Sexualität.
Aber ich brauche auch Heilung, wo ich mir selber Schaden, Verletzungen
zugefügt habe, wo ich Täter bin und mich mein Gewissen verklagt.
Das Schlimme bei sexueller Sünde ist, dass sie so verheimlicht und
versteckt wird, und wir uns zutiefst schämen. Die Wahrheit macht
frei. Wer es wagt, aus dem finsteren Versteck der Heimlichkeit auszutreten
und sich im Licht Gottes vor einem Bruder/einer Schwester offenbart,
der erfährt die übergrosse Gnade Gottes, die nicht verurteilt sondern
vergibt, befreit und heilt.
|