|
Intimität durch bejahte Sexualität
|
Dieser Beitrag ist dem Buch entnommen:
"Der 2.Ehefrühling"
von Vreni + Dieter Theobald
Brunnen-Verlag Basel
|
|
Sexuelle Intimität ist der Intimbereich in der Ehe. Es ist
ganz klar, dass dieser Bereich eine Wissenschaft für sich ist
und ein eigenes Buch füllen würde.
Hier soll es uns ins Ehegespräch über unsere sexuelle
Intimität führen und uns Mutmachen, die Freude aneinander
auch auf diesem Gebiet zu fördern.
Damit es ganz klar ist: es soll auf niemanden ein Druck kommen,
wenn wir dieses Thema etwas ausführlicher angehen. Wir wissen,
dass hier viele Verletzungen, Enttäuschungen und mancher Ehefrust
sitzen. Lassen Sie es zu, dass solche Wunden auch angeschaut werden
dürfen, in der Hoffnung auf Heilung, oder auch um mit einem
neuen Ja zu unerfüllten Wünschen und Sehnsüchten
weiterleben zu können.
Sexuelle Intimität baut - vor allem von den Frauen her - auf
der emotionalen Intimität auf. Männer können Sexualität
stärker nur vom Leib her leben, bei Frauen ist es mehr mit
dem Herzen verbunden. Wir ergänzen einander auch hier darin.
Vielleicht ist damit einer der wichtigen Punkte angeschnitten,
die sexuelle Intimität oft zur Not werden lassen:
Frauen und Männer haben unterschiedliche Bedürfnisse und
empfinden verschieden in diesem Bereich.
Schon anatomisch gesehen sind die Geschlechtsorgane der Frau nach
innen gelegt, die des Mannes nach aussen.
Männer sind im allgemeinen stärker ansprechbar und bedürftiger
nach Sexualität, ergreifen deshalb meist mehr die Initiative
und lassen sich nicht so schnell vom Ziel abbringen. Sie sind schneller
erregbar über die äusseren Sinne: sehen, hören, riechen,
tasten.
Frauen sind stärker erregbar über die inneren Sinne:
Geborgenheit, Zuneigung, Zärtlichkeit, Wertgeachtetsein, Liebkosungen.
Sie re-agieren mehr auf den Wunsch, den sie vom Mann her spüren,
oder ergreifen die Initiative im Wissen, dass es gut ist und der
Mann Sexualität braucht. Es brauchen aber beide gelebte, erfüllende
Sexualität.
Eine Frau in der Lebensmitte hat uns erzählt, dass sie einfach
genug hatte von diesem Thema und sich ihrem Mann verweigerte. Sie
litt aber plötzlich an einer unerklärlichen Essstörung.
Als sie das an einer Seelsorgewoche zur Sprache brachte, wurde sie
nach dem Gebet von einer Mitarbeiterin gefragt:Sag mal, verweigerst
du dich deinem Mann? Ich habe den Eindruck, du füllst dir den
Mangel auf der Liebesebene auf mit Essen. - Sie liess sich
das sagen und bat um Vergebung für ihre Verweigerung, öffnete
sich wieder für die sexuelle Gemeinschaft mit ihrem Mann. Die
Essstörung hörte auf. - Dieses Beispiel kann man nicht
verallgemeinern und nicht jede Essstörung hat sexuelle Probleme
als Ursache.
Was wir aber damit sagen wollen: nicht nur Männer brauchen
eine erfüllte Sexualität, auch Frauen brauchen sie. Von
Frauen hören wir öfter den Satz:Wegen mir bräuchte
es keine Sexualität zu geben. Darauf würde ich gerne verzichten.
Damit sind wir bei einem nächsten Punkt:
Die innere Einstellung zur Sexualität
Sexualität ist ja nicht einfach ein neutraler Gegenstand,
über den man sich so seine eigene Meinung bilden kann, den
man gebrauchen kann oder nicht.
Sexualität hat es mit mir zu tun, mit meinem Geschlecht, meinem
Temperament und Wesen, meiner Kindheit und Erziehung, mit all dem,
was ich gesehen, gehört, gelesen, erlebt und erfahren habe
zu diesem Thema. Ich bin sexuell, jede Zelle in mir ist von meinem
Geschlecht gezeichnet.
Ich habe eine sexuelle Prägung, die aus meiner Lebensgeschichte
her kommt und mich beeinflusst.
Vielleicht waren da viele Verbote und Warnungen in meiner Kindheit:Rühre
dein Glied nicht an, das ist schmutzig - Oder die seufzende
Bemerkungen der Mutter:Muss das schon wieder sein?
Gehen Sie dem einmal nach und erzählen Sie einander Ihre sexuelle
Biografie, was Sie in der Kindheit und Jugendzeit zu diesem Thema
geprägt hat.
Vielleicht merken Sie, dass eine Korrektur
der inneren Einstellung nötig ist. Sprechen Sie bewusst den
Menschen Vergebung aus, die Sie negativ geprägt haben, wo Versäumnisse
und mangelnde Fürsorge da waren. Es braucht eine klare Umkehr
und Abkehr von alten Vorstellungen und Bildern hin zu dem, was die
Bibel, was Gott uns über die Sexualität sagt.
Das führt uns zum nächsten Schritt, zum Ziel der Sexualität.
Das Ziel der Sexualität
Gottes Einstellung zum Menschen und zur Sexualität steht im
Schöpfungsbericht:Sehr gut! Er bejaht die Sexualität.
Die Sexualität gehört zum Geheimnis des Einswerdens von
Mann und Frau. Die beiden werden ein Fleisch, eine
Eheperson. Durch das Einswerden erhalten wir Anteil am Schöpfungshandeln
Gottes: es entsteht neues Leben.
Die Sexualität beinhaltet auch die Spannung, die Mann und
Frau zueinander hinzieht, anziehend macht. Sie ist Geschenk aus
Gottes Hand, den Menschen zur Freude gegeben, um einander als Mann
und Frau zu erkennen und zu beschenken.
Das Ziel der Sexualität besteht nicht
aus Befriedigung meiner sexuellen Bedürfnisse, Lustgewinn,
Nervenkitzel und Spannungsabbau. Da würde sich alles um mich
selber drehen, sich also letztlich um Selbstbefriedigung handeln.
Das Ziel besteht in der Ausrichtung hin
aufs Du. Es will den andern befriedigen, seine Bedürfnisse
erkennen und stillen. Gleichzeitig werde ich selber befriedigt.
Das Ziel ist nicht Orgasmus-orientiert, sondern liebesorientiert.
Damit ist klar, dass es nicht nur um funktionierende Genitalien
und einen perfekten Orgasmus geht. Auch nicht nur um die Erhaltung
der Menschheit durch Fortpflanzung. Es geht um mehr.
Nur genitaler Sex erschöpft sich mit den Jahren, braucht immer
mehr Hilfsmittel, Abwechslung, Abenteuer, damit es noch reizt und
geht.
Es ist vielsagend, dass Erotik-Messen, Sexgeschäft, Sexspiele
boomen, währenddem die ehelichen Schlafzimmer vor Langeweile
gähnen.
Sexualität, die den ganzen Menschen meint, sich mit der Liebe
verbindet und daraus lebt, gewinnt mit den Jahren immer mehr Wert
und Tiefe, macht Spass. Auch wenn die Quantität nachlässt,
lebt trotzdem die Qualität.
Paulus schreibt in 1.Kor.7,3-5: Der Mann soll seine Frau
nicht vernachlässigen, und die Frau soll sich ihrem Mann nicht
entziehen, denn weder die Frau noch der Mann dürfen eigenmächtig
über ihren Körper verfügen; sie gehören einander.
Keiner soll sich dem Ehepartner verweigern, es sei denn, beide sind
eine zeitlang bereit, auf den ehelichen Verkehr zu verzichten, weil
sie für das Gebet frei sein wollen. Danach kommt wieder zusammen,
damit euch der Satan nicht in Versuchung führen kann, weil
ihr euch nicht enthalten könnt. (Hoffnung für
alle)
Das heisst: Die Frau dient dem Mann mit der Gabe des Frausseins.
Der Mann dient der Frau mit der Gabe des Mannseins. Wir beschenken
uns gegenseitig mit der Sexualität.
Die Pflege der Sexualität
Jede Gabe entfaltet und entwickelt sich durch Übung und
Gebrauch.
Wer meint, das könne man doch einfach, darüber brauche
man nicht miteinander zu reden, der täuscht sich gewaltig.
Ehepaare sind im Bett oft wie Fische im Aquarium: stumm! Vielen
fehlt die Sprache, um über Sexualität zu sprechen. Über
die sexuellen Bedürfnisse muss man reden lernen, einander sagen,
was wohl oder weh tut, worüber man sich freut. Wir bleiben
hier ein Leben lang Entdecker und Eroberer, die einander mit Worten
und Händen den Weg weisen zum gegenseitigen Beglücken.
Die Pflege dieser Gabe braucht auch Zeit und Kreativität. Es
ist gut investierte Zeit, wenn wir uns füreinander, zur Liebe,
Zeit nehmen. Die Sexualität verliert
an Schönheit, wenn sie nur noch vor dem Schlafen von 23 Uhr
bis 23.05 unter der Bettdecke absolviert wird.
Könnten wir einander Möglichkeiten zeigen oder schenken?
Z.B. ein Liebesabend in der Stube, mit Zeit zum Gespräch, für
Zärtlichkeit und Liebkosung, Zeit sich einander im Spiel der
Liebe zu schenken. Überraschungen setzen Höhepunkte. Vielleicht
ziehen Sie ein neues, verführerisches Nachthemd an, oder schenken
Ihrem Mann ein Seidenpyjama. Es darf auch einmal etwas Besonderes
sein. Sexualität ist auch etwas Lustiges, Lustvolles, das man
geniessen darf.
Für Ehepaare mit Kindern, die am Abend die Stube nicht mehr
räumen wollen, würde sich auch einmal ein Wochenende auswärts
lohnen.
Schwierigkeiten mit der Sexualität
Störungen in der Sexualität gehören zum Leben. Es
ist ein Irrtum zu meinen, das müsse doch natürlicherweise
einfach klappen. Normal ist, dass man auch durch Schwierigkeiten
und unerfülllte Wünsche hindurch gemeinsam den Weg finden
muss. Manchmal braucht es auch ein Gespräch mit einem Seelsorger
oder Arzt.
Störungen, die wir häufig beobachten,
sind im Bereich von:
- Zu wenig Kenntnis über die Verschiedenartigkeit der sexuellen
Bedürfnisse von Mann und Frau.
- Zu wenig Zeit. Beide, oder eins von beiden, ist zu müde
oder mag nicht mehr.
- Verweigerung als Bestrafung für zu wenig Zuneigung und
Zeit zum Gespräch.
- Ekel vor dem Doppelleben des Partners in sexueller Hinsicht.
Z.B. dass der Mann Sexfilme anschaut und Pornoliteratur liest.
Die Frau fühlt sich degradiert, empfindet sich gebraucht
oder missbraucht.
- Keine Lust mehr, keine Gefühle mehr für Sexualität.Man
spricht heute von einem neuen Syndrom, dem LSD = Low Sexual
Desire, geringes sexuelles Verlangen.
- Die Gründe für das mangelnde Interesse sind bei Männern
häufig Stress und Überarbeitung, alle Energie wird im
Beruf verbraucht.
- Bei Frauen ist die Überforderung von ihrer Rolle als Mutter,
Ehe- und Berufsfrau oft Grund für die Erschöpfung. Aber
die häufigste Ursache für die Lustlosigkeit sind Beziehungsstörungen.
Wenn sie nicht angegangen werden, kann es zur Dauerblockade führen.
- Schmerzen beim Geschlechtsverkehr durch zu trockene Schleimhäute
der Vagina. Hier hilft etwas Creme, z.B. Bèpanthene, die
zugleich wie ein Gleitmittel wirkt.
- Keine Vertrauensbasis in der Ehe, d.h. man weiss nicht, ob der
Partner wirklich treu ist und nur mich meint. Aussenbeziehungen
gehören zu den grössten Ehekillern. Es ist einfach so,
dass die Ehe diesen absoluten Treuebund braucht.
- Krankheiten wie Diabetes, die die Potenz beeinträchtigen
können,
Unterleibsoperationen, die den Geschlechtsakt erschweren, Depressionen
oder Medikamente (Antidepressiva), die die Lust auf Sexualität
dämpfen können.
Heilung von zerbrochener Sexualität
Es gibt nicht nur Störungen, es gibt auch Zerbruch.
Das kann aus frühen Erfahrungen in der Kindheit herkommen,
Inzesterfahrungen, Verführung zu sexuellen Spielen, Vergewaltigungen,
die das, was an gesunder Sexualität aufwachsen sollte und wollte,
abgebrochen und zerstört haben.
Solch ein Knospenfrevel begünstigt dann oft in der Jugend-
und Erwachsenenzeit eine negative Entwicklung der Sexualität
in Richtung Homosexualität, Perversionen, in Sexualität,
die zur Last und Sünde wird.
Oftmals war in der Jugendzeit niemand da, mit dem man hätte
reden können über das, was einen an sexueller Lust umtrieb.
Sexuelle Neugierde, schlechte Freunde verführten zur Sünde,
aus der man sich nicht mehr selber befreien konnte.
Es wäre hier verfehlt, Pauschalantworten
oder -hilfen anzubieten. Man muss den einzelnen Ursachen nachgehen
und nach Hilfen suchen, die der jeweiligen Situation entsprechen.
Aber eines ist klar: Sexuelle Sünde hat es mit dem heiligen
Gott zu tun, der im alten Bund sexuelle Sünden mit dem Tode
bestrafte, weil er keine Unreinheit unter seinem Volk dulden konnte.
Zugleich haben wir es mit dem gnädigen, barmherzigen Gott zu
tun, der in und durch Jesus Sünde vergeben und das Zerbrochene
heilen will. Es ist Gottes grosse Sehnsucht, uns heil und rein zu
machen. Jesus will auch die zerbrochene Sexualität, die oftmals
mit einer gebrochenen Identität als Mann und Frau zu tun hat,
erneuern und heilen, uns ganz machen, uns aufrichten.
Das Blut unseres Herrn Jesus wäscht rein von aller Sünde,
auch von sexueller Sünde. Er vergibt, und wir dürfen und
sollen auch denen vergeben, die an uns schuldig geworden sind, sich
an unserem Leben vergriffen haben.
Das Blut Jesu Christi wäscht auch rein in unserer Phantasie:
alle unreinen Bilder, alle vergifteten, schmutzigen, pervertierten
Bildern, die wir uns angeschaut haben und nicht mehr loswerden.
Der Vorgang ist der gleiche: Bitte um Vergebung, Vergebung annehmen,
die Reinheit, die Jesus uns schenkt, anziehen und von der Sünde
lassen.
|